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Freilichtspiele Lana 2008:

Yvonne, die Burgunderprinzessin
(Iwona, Ksiezniczka Burgunda)

von Witold Gombrowicz
Deutsch von Heinrich Kunstmann

Premiere am Freitag,
den 18. Juli 2008

mit Beginn um 21 Uhr

Wo
Obstgenossenschaft Lana,
Sonnenweg

Karten:
Eintrittspreis: 18 €; ermäßigt 12 €

Kartenvormerkung:
Telefon: 349.7396609

Telefonisch reservierte Karten
sind spätestens eine halbe Stunde
vor Vorstellungsbeginn
abzuholen.
Abendkasse ab 20 Uhr.
 

zum Inhalt
Wie sehen wir aus vis-à-vis diesem Schweigen?

Die tragikomische Geschichte Yvonnes kann man in einige Worte
fassen. Der Prinz Philipp, Thronfolger, trifft bei einem Spaziergang
dieses nicht anziehende, abstoßende Mädchen. Yvonne ist latschig,
apathisch, schwächlich, schüchtern, langweilig und ängstlich. Prinz
Philipp kann sie vom ersten Augenblick an nicht ausstehen; aber
zugleich kann er auch nicht ausstehen, dass er die unglückliche
Yvonne hassen muss. In ihm bricht eine Empörung aus gegen das
Gesetz der Natur, das gebietet, nur anziehende Mädchen zu lieben,
und er verlobt sich mit Yvonne.

Die stumme, verschüchterte Gegenwart ihrer mannigfaltigen Defekte
verursacht, dass jedem seine eigenen verheimlichten Mängel, Schmut-
zigkeiten und kleinen Sünden zu Bewusstsein kommen … und bald
verwandelt sich der Hof zu einer Brutstätte von Ungeheuerlichkeiten.
Und jedes dieser Ungeheuer, einschließlich des Prinzen, beginnt vor
Begierde zu brennen, diese unausstehliche Zimperliese zu ermorden.
Der Hof mobilisiert schließlich all seinen Glanz, alle Pracht und Hoheit,
und tötet sie „von oben her“.


[Witold Gombrowicz, Gespräche mit Dominique de Roux, 1969]

 

 

 

 
 


  zum Autor
Ich trage die Fremdheit in mir


Witold Gombrowicz
(1904–1969) schreibt 1935 Yvonne, die Burgunder-
prinzessin
. Weder Kritik noch Regisseure beachten allerdings sein erstes
Schauspiel. Erst 1957 wird es – nun mit weit reichendem Echo – in Krakau uraufgeführt. Mit einer abermaligen Verzögerung kommt es sieben Jahre
später zur ersten Inszenierung außerhalb Polens. Seither ist die „Königs-
farce“ rund um Yvonne, die durch ihr hartnäckiges Schweigen höchste
Irritation auslöst, von den Bühnen nicht mehr verschwunden.

1933 erscheint mit dem Erzählband Memoiren aus der Epoche des Reifens
Gombrowicz’ literarisches Debüt. Beinahe dreißigjährig, das Studium der
Rechtswissenschaften in Warschau bereits seit sechs Jahren beendet, ist
seine Lebenssituation eher vage. Gerichtsverhandlungen verfolgt er ohne
Interesse – Ich konnte nicht zwischen Richter und Mörder unterscheiden
und schüttelte den Mördern die Hand
– er verfasst währenddessen Er-
zählungen und Novellen, die er teilweise wieder vernichtet, verkehrt in
Literatencafés. Sein Erstling kommt bei Literaturkennern gut an, er wid-
met sich endgültig der Schriftstellerei und beginnt mit dem Verfassen
von Yvonne, wenig später erscheint sein Roman Ferdydurke (1937), der
starke Zustimmung, aber auch Ablehnung erfährt. Sein Frühwerk wird
deutlich missverstanden, in seinem weiteren Schreiben ist er deshalb
stets darum bemüht mit den Kritikern – den Kulturtanten – abzurechnen
und sein literarisches Schaffen in Vorworten, Inhaltsangaben und nicht
zuletzt im Tagebuch zu kommentieren.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überrascht Witold Gombrowicz 1939
auf einer Argentinienreise. Er bleibt 24 Jahre im Exil. Dort schreibt er unter
anderem die Romane Trans-Atlantik und Verführung, beginnt 1953 sein
Tagebuch sowie das Stück Die Trauung und veröffentlicht seine Werke
zunächst in Frankreich und auch in Polen, wenn Publikationsverbote dies
nicht verhindern. 1963 nach Europa zurückgekehrt, lässt sich der Antipole
nicht im kommunistischen Polen, sondern nach einem einjährigen Aufent-
halt in Berlin, in Vence, Frankreich, nieder.

Gombrowicz’ Interesse gilt dem menschlichen Individuum: Der Mensch ist
Rollenzwängen unterworfen und agiert in wechselnden Rollen, die Welt ist
ein Chaos und Gott existiert nicht. Jede zwischenmenschliche Begegnung
ist in seiner Terminologie an eine Form gebunden, herrschenden Ideologien,
Religionen, Konventionen, Trends unterworfen. Erst in der Gegenwart des
Anderen ist der Mensch zur Selbstwahrnehmung fähig, die zur Vervollstän-
digung oder Degradierung des eigenen Ich führt. Der Mensch ist seiner
Ansicht nach deformiert und künstlich, er wird bestimmt und geformt und
das bedeutet deformiert:

Mein Mensch wird doch von außen geschaffen, er ist also dem Wesen nach
nicht authentisch – er ist nie er selbst.


Seine Protagonisten kämpfen gegen die Form, finden in der Unreife, also in
der Abkehr von der Form, einen Augenblick von Freiheit: Scheitern immer
inbegriffen. Seine Erzählweise ist grell und grotesk, er wendet sich mit Ironie
gegen die Dominanz der Form nicht nur im gesellschaftlichen, sondern auch
im literarischen Sinne, indem er Stile der populären, humoristischen Literatur
mit denen der anspruchsvollen vermischt, bestehende Regeln bewusst ver-
letzt und sich der Techniken der Parodie bedient.