![]() |
![]() |
||
Info Yvonne, die Burgunderprinzessin von Witold Gombrowicz Premiere am Freitag, Obstgenossenschaft Lana, Sonnenweg Karten: Eintrittspreis: 18 €; ermäßigt 12 € Kartenvormerkung: Telefon: 349.7396609 Telefonisch reservierte Karten sind spätestens eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn abzuholen. Abendkasse ab 20 Uhr. |
zum
Inhalt |
||
|
|||
![]() |
|||
![]() ![]() |
zum Autor Ich trage die Fremdheit in mir Witold Gombrowicz (1904–1969) schreibt 1935 Yvonne, die Burgunder- prinzessin. Weder Kritik noch Regisseure beachten allerdings sein erstes Schauspiel. Erst 1957 wird es – nun mit weit reichendem Echo – in Krakau uraufgeführt. Mit einer abermaligen Verzögerung kommt es sieben Jahre später zur ersten Inszenierung außerhalb Polens. Seither ist die „Königs- farce“ rund um Yvonne, die durch ihr hartnäckiges Schweigen höchste Irritation auslöst, von den Bühnen nicht mehr verschwunden. 1933 erscheint mit dem Erzählband Memoiren aus der Epoche des Reifens Gombrowicz’ literarisches Debüt. Beinahe dreißigjährig, das Studium der Rechtswissenschaften in Warschau bereits seit sechs Jahren beendet, ist seine Lebenssituation eher vage. Gerichtsverhandlungen verfolgt er ohne Interesse – Ich konnte nicht zwischen Richter und Mörder unterscheiden und schüttelte den Mördern die Hand – er verfasst währenddessen Er- zählungen und Novellen, die er teilweise wieder vernichtet, verkehrt in Literatencafés. Sein Erstling kommt bei Literaturkennern gut an, er wid- met sich endgültig der Schriftstellerei und beginnt mit dem Verfassen von Yvonne, wenig später erscheint sein Roman Ferdydurke (1937), der starke Zustimmung, aber auch Ablehnung erfährt. Sein Frühwerk wird deutlich missverstanden, in seinem weiteren Schreiben ist er deshalb stets darum bemüht mit den Kritikern – den Kulturtanten – abzurechnen und sein literarisches Schaffen in Vorworten, Inhaltsangaben und nicht zuletzt im Tagebuch zu kommentieren. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überrascht Witold Gombrowicz 1939 auf einer Argentinienreise. Er bleibt 24 Jahre im Exil. Dort schreibt er unter anderem die Romane Trans-Atlantik und Verführung, beginnt 1953 sein Tagebuch sowie das Stück Die Trauung und veröffentlicht seine Werke zunächst in Frankreich und auch in Polen, wenn Publikationsverbote dies nicht verhindern. 1963 nach Europa zurückgekehrt, lässt sich der Antipole nicht im kommunistischen Polen, sondern nach einem einjährigen Aufent- halt in Berlin, in Vence, Frankreich, nieder. Gombrowicz’ Interesse gilt dem menschlichen Individuum: Der Mensch ist Rollenzwängen unterworfen und agiert in wechselnden Rollen, die Welt ist ein Chaos und Gott existiert nicht. Jede zwischenmenschliche Begegnung ist in seiner Terminologie an eine Form gebunden, herrschenden Ideologien, Religionen, Konventionen, Trends unterworfen. Erst in der Gegenwart des Anderen ist der Mensch zur Selbstwahrnehmung fähig, die zur Vervollstän- digung oder Degradierung des eigenen Ich führt. Der Mensch ist seiner Ansicht nach deformiert und künstlich, er wird bestimmt und geformt und das bedeutet deformiert: Mein Mensch wird doch von außen geschaffen, er ist also dem Wesen nach nicht authentisch – er ist nie er selbst. Seine Protagonisten kämpfen gegen die Form, finden in der Unreife, also in der Abkehr von der Form, einen Augenblick von Freiheit: Scheitern immer inbegriffen. Seine Erzählweise ist grell und grotesk, er wendet sich mit Ironie gegen die Dominanz der Form nicht nur im gesellschaftlichen, sondern auch im literarischen Sinne, indem er Stile der populären, humoristischen Literatur mit denen der anspruchsvollen vermischt, bestehende Regeln bewusst ver- letzt und sich der Techniken der Parodie bedient. |
||